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17. September: Ein Tag im Zeichen der internationalen Patientensicherheit

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Im Bild v.l.n.r.: Dr. Gerald Bachinger (Sprecher der ARGE der Patientenanwälte Österreichs), Dr. Sabine Oberhauser (Bundesministerin für Gesundheit), Mag. Hanns Kratzer (PERI Consulting GmbH), DGKS Ursula Frohner (Präsidentin des ÖGKV), Dr. Artur Wechselberger (Präsident der ÖÄK), Dr. Brigitte Ettl (Präsidentin der Plattform Patientensicherheit), Dr. Franz Allerberger (Vorstandsmitglied der ÖGHMP), Mag. Gabriele Jaksch (Präsidentin MTD-Austria)

Wien, 10. September 2015 - Eine verbesserte medizinische Versorgung durch mehr Sicherheit für die Patienten ist das Hauptanliegen der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. Zur Schaffung entsprechender Awareness im deutschsprachigen Raum wurde daher auf Initiative der Plattform Patientensicherheit (A), gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (D) und der Stiftung für Patientensicherheit (CH), der 1. Internationale Tag der Patientensicherheit ausgerufen. Dieser findet erstmals am 17. September 2015 statt und fasst unterschiedliche Maßnahmen in Gesundheitseinrichtungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen. Im Vorfeld dazu informierten Experten zum Thema und lieferten wichtige Impulse sowie Einblicke in die gelebte Praxis. Eröffnet wurde die Pressekonferenz von Gesundheitsministerin Dr. Sabine OBERHAUSER.

Zu den häufigsten Komplikationen im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts zählen Infektionen, die erst im Zuge der Behandlung entstehen. Diese nennt man therapieassoziierte oder nosokomiale Infektionen. An solchen erkranken in Europa laut Angaben des European Center of Disease Control (ECDC) rund 4,1 Millionen Patienten pro Jahr. In etwa 37.000 Fällen ist der Verlauf tödlich. Experten schätzen, dass sich 20 bis 30 Prozent dieser Infektionen durch intensive Hygiene- und Kontrollmaßnahmen verhindern ließen. "Als Gesundheitsministerin ist es mir wichtig, dass in der Gesundheitsversorgung die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen und dass für ihre Sicherheit und ihre Bedürfnisse gesorgt wird. Die gesundheitliche Versorgung soll unabhängig davon, wo und in welcher Einrichtung sie erbracht wird, sicher, effektiv und leicht zugänglich sein. Damit ist Patientensicherheit ein wesentlicher Aspekt aller gesundheitspolitischen Maßnahmen, so auch der geplanten Stärkung der Primärversorgung", so Gesundheitsministerin Dr. Sabine OBERHAUSER.

Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Österreich, Deutschland und der Schweiz soll ein Zeichen gesetzt werden. "Um das Bewusstsein für vermeidbare Risiken zu schärfen, wurde der 17. September zum Internationalen Tag der Patientensicherheit ausgerufen mit dem Ziel aufzuzeigen, was von den Gesundheitsberufen bereits geleistet wird, um die Patienten bestmöglich zu schützen. Wir können alle jeden Tag noch besser werden. Entscheidend ist auch, dass Patienten und Bürger erfahren, was sie persönlich für ihre Sicherheit tun können, ohne sie zu verängstigen. Der Internationale Tag der Patientensicherheit lebt vom Mitmachen", erläutert die Präsidentin der Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin des KH Hietzing, Dr. Brigitte ETTL.

Hygiene im Mittelpunkt

Das Thema "Hygiene und Vermeidung von Infektionen in Gesundheitseinrichtungen" steht im Mittelpunkt des 1. Internationalen Tages der Patientensicherheit. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen im deutschsprachigen Raum werden an diesem Tag zeigen, was alles getan wird, um derartige Infektionen und andere Risiken zu vermeiden. Die Patienten - sowie alle, die es einmal werden könnten - haben in Form von Podiumsdiskussionen, Informationsveranstaltungen sowie Tagen der offenen Türe in Krankenhäusern, Unikliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen die Möglichkeit zu erfahren, wie sie sich selbst wirksam schützen können. Auf Zahlen, die das tatsächliche Ausmaß von Krankenhausinfektionen deutlich werden lassen, verweist Dr. Franz ALLERBERGER, Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP): "In einer in den Jahren 2011/2012 europaweit durchgeführten Studie - darunter neun österreichische Krankenanstalten - zeigte sich, dass sich in Akutkrankenhäusern bei einem von 18 Patienten (6 %; länderspezifische Bandbreite 2,3 % - 10,8 %) eine Krankenhausinfektion findet. Nosokomiale Infektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen eines Krankenhausaufenthaltes. Sie verlängern den Krankenhausaufenthalt, erfordern mehr Diagnostik- und Behandlungsaufwand und sind mit Mehrkosten verbunden. Das Auftreten von multiresistenten Erregern kann die Behandlung zusätzlich verkomplizieren." Das Motto lautet: Jede Infektion, die verhindert werden kann, vermeidet Leid und Kosten. In der kollektiven Zusammenarbeit können nosokomiale Infektionen in Gesundheitseinrichtungen auf ein Mindestmaß reduziert und damit ein wichtiger Beitrag für mehr Patientensicherheit geleistet werden.

Fachpersonal ist essentiell

"Als Dreh- und Angelpunkt in der direkten Patientenversorgung hat das Pflegefachpersonal, wenn Hygienemaßnahmen umzusetzen sind, zentrale Bedeutung. Darüber hinaus geht es aber auch darum, Patientinnen und Patienten, sowie deren Angehörige zum Thema Hygiene zu sensibilisieren und sie für die Anwendung von Hygienemaßnahmen zu schulen", so Ursula FROHNER, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV). Als effizienteste Maßnahme gegen Infektionskrankheiten gilt laut FROHNER eine konsequente Händedesinfektion. Auch Mag. Gabriele JAKSCH, Präsidentin der MTD-Austria, dem Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste, vertritt diese Haltung und ergänzt: "Damit ist es allerdings nicht getan: wenig ist erreicht, wenn sich Patientinnen und Patienten zwar bei Behandlung oder Beratung im hygienisch einwandfreien Umfeld befinden, aber selbst nicht gelernt haben, außerhalb dieses Rahmens auf die notwendige Hygiene zu achten. Diesbezügliche Er- und Aufklärung durch uns als Gesundheitsberufe ist essentiell - über alle Alters- und Einkommensschichten hinweg. Hygienestandards sind nicht nur für Krankenhäuser und Praxen, sondern in allen Gesundheitseinrichtungen ein unverzichtbares Regelwerk."

Mitverantwortung seitens der Patienten

Um die Mitverantwortung der Patienten stärker hervorzuheben, hat die Plattform Patientensicherheit im Rahmen der Pressekonferenz einen Info-Flyer präsentiert, der zur Optimierung der Situation in Österreich beitragen soll. Dieser wurde gemeinsam mit der Initiative Sicherheit im OP entwickelt und enthält hilfreiche Tipps im Umgang mit Hygiene im täglichen Leben. Der Patient selbst kann und muss sich den Gefahren von Infektionen bewusst werden. Im Zuge dessen soll der Info-Flyer aufklären und Awareness dafür schaffen, welche Maßnahmen zum Selbstschutz ergriffen werden können. Dazu gehören neben dem Gespräch mit dem Arzt auch Achtsamkeit gegenüber bestimmten Symptomen wie Rötungen, Schmerzen oder Flüssigkeitsaustritt, Kenntnis einer effektiven Handhygiene, Informationen zur Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen sowie die Möglichkeiten der Risikominimierung im Zusammenhang mit Impfmaßnahmen.

Qualitätssicherung und Risikomanagement

Auch im Bereich des Qualitätsmanagements ist Patientensicherheit ein wesentlicher Aspekt. Patienten müssen mehr Informationen zu den Risiken von Infektionen erhalten und auch die komplexen Situationen, mit denen das Gesundheitspersonal zu kämpfen hat, dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Von Seiten der Österreichischen Ärztekammer wurden bereits mehrere Initiativen zur Qualitätssicherung ins Leben gerufen. Darunter etwa die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed), die sämtliche Ordinationen und Gruppenpraxen im gesamten Bundesgebiet einer Qualitätsüberprüfung unterzieht, oder das Beinahe-Fehler- und Fehlermeldesystem CIRSmedical (Critical Incident Reporting System), welches Fallberichte bearbeitet, bewertet und publiziert. Dr. Artur WECHSELBERGER, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, weiß um die Schwierigkeiten für die Ärzteschaft aber auch über die Auswirkungen auf die Patienten Bescheid: "Die Themen Patientensicherheit, Qualitätssicherung und das Erkennen bzw. Vermeiden von potenziellen Fehlern als essenzielle Bestandteile des ärztlichen Berufes haben sich etabliert. Dazu gehört insbesondere der offene, transparente Umgang mit medizinischen Risiken, aber auch mit Beinahe-Fehlern und Fehlern oder Komplikationen. Ein ehrlicher und verantwortungsvoller Zugang zu den in der Gefahrengeneigtheit des Handelns liegenden Bedrohungen soll den Patientinnen und Patienten die Sicherheit geben, dass die Ärzteschaft genau weiß, wie medizinische Risiken und Fehler zu handhaben sind, um Schaden von ihnen abzuwenden. Es ist Aufgabe der ÖÄK, die österreichischen Ärztinnen und Ärzte in diesem Bestreben intensiv zu unterstützen und damit die Qualität der Leistungserbringung und die Patientensicherheit zu fördern", so WECHSELBERGER.

Patientenanwaltschaft tritt für weitere Maßnahmen ein

Obwohl es keine 100 prozentige Sicherheit gibt Infektionen gänzlich aus der Welt schaffen zu können, kann unter dem Aspekt der Sicherheit vieles möglich gemacht werden. Dr. Gerald BACHINGER, Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte, betont die vielen Initiativen, die in Österreich bereits umgesetzt wurden, so etwa die CIRS-Systeme, OP-Checklisten oder Schulungsmaßnahmen und spricht sich für weitere Schritte zur Steigerung der Patientensicherheit aus: "Patientensicherheit und Risikomanagement haben in den letzten Jahren großen Stellenwert in den nationalen Gesundheitssystemen erhalten. Auch Patienten können einen wichtigen Beitrag zu mehr Patientensicherheit leisten. Im Projekt ‚sicher ist sicher‘ erhalten Patienten Ratschläge, wie sie sich selbst für mehr Patientensicherheit einbringen können", so BACHINGER.

Über die Plattform Patientensicherheit:

Die Österreichische Plattform für Patientensicherheit wurde im November 2008 im Zuge des Projekts EUNetPAS (7. EU-Rahmenprogramm) und auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit gegründet. Damit konnte erstmals eine systematische Bearbeitung von aktuellen Themenfeldern zur Patientensicherheit in Österreich gestartet werden. Ziel und Strategie dieses Expertenforums ist die Etablierung und das Betreiben eines unabhängigen, dynamischen und konstruktiven Netzwerkes, dem die wesentlichen Einrichtungen und Experten des österreichischen Gesundheitssystems angehören, die sich mit Patientensicherheit beschäftigen. Im Zentrum der Arbeit steht die Förderung der Patienten- und Mitarbeitersicherheit in Österreich durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information. Schwerpunkte und Handlungsfelder der Patientensicherheit sollen identifiziert und analysiert werden, um daraus interdisziplinär Lösungen zu entwickeln und zu verbreiten.

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Weitere Informationen unter:

www.tagderpatientensicherheit.at »
www.patient-safety-day.org »
www.plattform-patientensicherheit.at »

Bilder zur Pressekonferenz finden Sie unter:

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6939 »
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Informationen zur Didaktobox:

http://at.hartmann.info/didaktobox.php »

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Gemeinsam für mehr Patientensicherheit

1. Internationaler Aktionstag am 17. September 2015 will Bewusstsein schaffen

(Wien, 2015-05-18) Menschen gehen in Gesundheitseinrichtungen in der Hoffnung, gesund zu werden. In etwa acht bis 12 Prozent der Fälle kommt es jedoch zu einem unerwünschten Ereignis, bei dem die Patientin oder der Patient einen Schaden erleidet. Die schlechte Nachricht: Das lässt sich leider nicht ganz vermeiden. Die gute Nachricht: Sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitseinrichtungen als auch die Patientinnen und Patienten können dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen.

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