Pressemitteilungen

Plattform Patientensicherheit - Internationaler Tag der Patientensicherheit
Pressekonferenz - 14. September 2016

Medikamentensicherheit: Was Gesundheitsberufe und Patienten tun können

Mehr Sicherheit für die Patienten, eine verbesserte medizinische Versorgung der
Bevölkerung und die Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz zählen zu den
Hauptanliegen der Plattform Patientensicherheit. Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis
Patientensicherheit aus Deutschland sowie der in der Schweiz beheimateten Stiftung
für Patientensicherheit wurde 2015 erstmals der Internationale Tag der
Patientensicherheit ausgerufen. In diesem Jahr steht der Tag ganz im Zeichen der
Medikamentensicherheit. Im Vorfeld informierten Expertinnen und Experten im
Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch über die vielfältigen Aspekte der
Medikamentensicherheit und präsentierten Beispiele aus der Praxis.

Selbstverantwortung der Patienten im Mittelpunkt

Die Plattform Patientensicherheit habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Sicherheit für
Patienten zu erhöhen und eine Fehlerkultur zu schaffen, die zur Vermeidung von Fehlern
beitrage, sagte Brigitte Ettl, ärztliche Direktorin im Krankenhaus Hietzing und
Präsidentin der Plattform Patientensicherheit
, in ihrem Eröffnungsstatement.

Besonderes Augenmerk sei auf die Selbstverantwortung der Patienten zu legen, so Ettl
weiter. „Wir empfehlen den Patienten, eine genaue Medikamentenliste zu führen, in die sie
verschreibungspflichtige, rezeptfreie, homöopathische und pflanzliche Mittel eintragen. Auch
Vitaminpräparate und sonstige Nahrungsergänzungsmittel werden in diese Liste
eingetragen“, führte Ettl aus. Die Liste ermögliche einen raschen Überblick, welche
Medikamente wann und in welcher Dosis genommen werden müssten. Zudem könnten
gefährliche Wechsel- und Nebenwirkungen so schneller festgestellt werden. Die
Aufzeichnungen seien in jedem Fall ein hilfreicher Überblick, sowohl für Patienten als auch
für medizinisches Personal, vor allem im Notfall. Ettl: „Die Plattform Patientensicherheit hat
eine Checkliste erarbeitet, die ab sofort über unsere Website abrufbar ist. Die Patienten
können die Checkliste ausdrucken und ihre Medikamente eintragen.“

Der Tag der Patientensicherheit sei ein wichtiges Instrument, um sowohl Gesundheitsberufe
als auch Bevölkerung auf unterschiedliche Aspekte der Patientensicherheit aufmerksam zu
machen, betonte Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium.
"Wir wollen das Gesundheitssystem laufend an die höchsten Qualitätskriterien anpassen und
die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung durch Information und verbesserte
Kommunikation stärken“, sagte Rendi-Wagner. Die Sicherheit für Patientinnen und Patienten
werde regelmäßig geprüft, gemessen und transparent gemacht. „Es ist uns wichtig, dass die
Patientinnen und Patienten informiert und aktiv in den Versorgungsprozess eingebunden
sind.“

Fehlerkultur – Problemfeld Polypharmazie

Medikamentensicherheit hänge weitgehend vom Umgang der Gesundheitsberufe und
Patienten mit Arzneimitteln ab. Auch der rechtliche Rahmen sei wichtig, sagte Artur
Wechselberger, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
: „Die rasante
Entwicklung der Medizin, die Spezialisierung, aber auch technische und pharmazeutische
Innovationen haben zu einer starken Zunahme der Medikamentenanwendungen geführt.
Das Bemühen um Vermeidung und Erkennen von Fehlern wie auch das Lernen aus Fehlern
muss Teil der Kultur in Einrichtungen des Gesundheitswesens sein.“

Eine besondere Herausforderung sei die Polypharmazie, also die Verordnung von fünf oder
mehr Medikamenten. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von Interaktionen und damit
auch von Nebenwirkungen. „Gleichzeitig nimmt mit steigender Zahl an Medikamenten auch
die Verlässlichkeit der Patienten bezüglich Compliance und Einnahmegenauigkeit ab“,
warnte Wechselberger. Auf die vielfältigen Fehlerquellen, die Medikationssicherheit
beeinträchtigen könnten – etwa unleserliche Handschrift auf Rezepten, ähnlich aussehende
Medikamentenpackungen, falsche Lagerung –, müsse man mit entsprechenden Maßnahmen
reagieren. Wechselberger: „Eine generelle Information der Bevölkerung über das
Gefahrenpotenzial medikamentöser Behandlungen ist wichtig. Sie schafft Bewusstsein für
den sorgfältigen Umgang mit Medikamenten und unterstützt die Ärzte in ihrer individuellen
Aufklärung der Patienten im Rahmen der Behandlung.“

Fälschungssicherheit und Medikationsmanagement

Die Fälschungssicherheit war Apothekerkammerpräsident Max Wellan ein besonderes
Anliegen. „Die Medikamente in den österreichischen Apotheken sind hochwertig und sicher.
Allerdings kursieren im Internet gefälschte Medikamente, die im harmlosesten Fall völlig
unwirksam, schlimmstenfalls aber hochgradig gesundheitsschädlich sind“, so Wellan. Laut
WHO würden unseriöse Online-Shops vor allem gefälschte Schmerzmittel, Potenzmittel,
Vitamin- und Muskelaufbaupräparate vertreiben.

Die Apothekerinnen und Apotheker sind aufgrund ihres Studiums der Pharmazie und ihrer
täglichen Praxis die Experten für Arzneimittel. Wellan: „Wir haben in der Apotheke den
Überblick über alle Arzneimittel eines Patienten, auch der rezeptfreien, die eine
überproportional hohe Rate an Wechselwirkungen auslösen können.“ Neu auf der Agenda
der österreichischen Apotheken sei das Medikationsmanagement, so Wellan weiter: „Wir
verstehen darunter eine kontinuierliche Betreuung des Kunden durch ein multiprofessionelles
Team zur Erhöhung der Therapietreue des Patienten.“ Kernstück sei eine etwa einstündige
Medikationsanalyse, die arzneimittelbezogene Probleme erkennen, lösen bzw. vermeiden
solle. Ziel sei die fortlaufende und nachhaltige Erhöhung der Effektivität und Sicherheit der
Arzneimitteltherapie, aber auch die Unterstützung der Patienten im Selbstmanagement.

Pflege: 6-R-Regel zentral

Aus Sicht der Pflege müsse vor allem die so genannte „6-R-Regel“ beachtet werden, sagte
Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und
Krankenpflegeverbands
. „Das bedeutet, dass dem richtigen Patienten zur richtigen Zeit der
richtige Wirkstoff in der richtigen Dosis und der richtigen Applikationsform verabreicht wird.
Es bedeutet weiters, dass die richtige Dokumentation erfolgt“, so Frohner.

Zu beachten sei auch, inwiefern Patienten in der Lage seien, die verordneten Medikamente
selbst einzunehmen bzw. selbst zu verwalten. Frohner: „Menschen, die an Demenz leiden,
psychisch Erkrankte oder Kinder benötigen hier unbedingt Unterstützung durch das
Pflegefachpersonal.“ Im Rahmen des Entlassungsmanagements und im Bereich der mobilen
Pflege müsse auf klare und übersichtliche Informationen zu den verordneten Medikamenten
geachtet werden, um die Medikationssicherheit zu gewährleisten. Fallweise seien dabei auch
pflegende Angehörige in die Informationskette einzubeziehen.

Auch die Aufbewahrung müsse beachtet werden. Frohner: „Dazu gehört beispielsweise,
dass das Medikament in der Verpackung bleibt und nicht über einer bestimmten
Raumtemperatur gelagert werden darf.“ Zu beachten sei außerdem, dass einmal
angebrochene Arzneimittel mitunter rasch verbraucht werden müssten, z.B. solche in
flüssiger Form. Und: „Arzneimittel sind nicht ewig haltbar. Ich empfehle daher dringend,
immer das Haltbarkeitsdatum im Auge zu behalten“, betonte Frohner.

E-Medikation als Hoffnungsträger

Als wichtigen Beitrag zur Patienten- und damit auch zur Medikamentensicherheit sah
Patientenanwalt Gerald Bachinger die e-Medikation, die aktuell in Testregionen im
Probebetrieb läuft: „Die e-Medikation kann in Zukunft Wechsel- und Nebenwirkungen auf
einen Blick abrufbar machen. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Patientensicherheit“, hielt
Bachinger fest. Gleichzeitig könnten Doppelverschreibungen vermieden werden, was
ebenfalls die Sicherheit erhöhe und auch ökonomisch sinnvoll sei. Die wenigsten Nebenund
Wechselwirkungen gebe es dann, wenn unnötige Medikation vermieden werde, sagte
der Patientenanwalt. „Medikamentensicherheit in den Mittelpunkt von Initiativen und
Strategien zur Patientensicherheit zu stellen, halte ich für eminent wichtig. Diese Initiativen
sind breit gefächert und reichen von der Einführung neuer digitaler Werkzeuge bis hin zur
Einbeziehung von Patienten und Angehörigen in den Medikationsprozess“, erläuterte
Bachinger.

Rückfragehinweise:

Plattform Patientensicherheit:
Mag. Nicole Norwood, Tel. 01/4277 – 22203, nicole.norwood@univie.ac.at »

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen:
Mag. Raphaela Pammer, Tel. 01/71100 644505, raphaela.pammer@bmgf.gv.at »

Österreichische Ärztekammer:
Mag. Bosko Skoko, Tel. 01/51406 – 3312, b.skoko@aerztekammer.at »
Dr. Susanne Lang-Vorhofer, Tel. 01/51406 – 3312, s.lang@aerztekammer.at »

Österreichische Apothekerkammer:
Mag. Gudrun Kreutner, Tel. 01/404 14 – 600, gudrun.kreutner@apothekerkammer.at »

Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband:
Dr. Sanem Keser-Halper, Tel. 01/478 27 10 -17, pflegezeitschrift@oegkv-fv.at »

ARGE PatientenanwältInnen:
Dr. Gerald Bachinger, Tel. 02742/9005-15575, gerald.bachinger@noel.gv.at »

Download:

Pressemappe mit Statements » (pdf)
Download Broschüre Medikationssicherheit » (pdf)
Download Beilagenblatt » (pdf)

  Bilder:

   Fotocredit: ÖÄK/Thomas Jantzen

2. Internationaler Tag der Patientensicherheit am 17. September 2016
Schwerpunktthema: Gemeinsam Medikationsfehler vermeiden

Wien, Juni 2016
Beim 2. Internationalen Tag der Patientensicherheit rund um den 17. September 2016 steht in diesem Jahr das Thema „Medikationssicherheit“ im Mittelpunkt. Der Aktionstag möchte mehr Bewusstsein für die Risiken bei der Anwendung von Medikamenten schaffen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Unter dem Motto „Gemeinsam Medikationsfehler vermeiden“ sind Krankenhäuser, Pflegeheime, Apotheken, Rehabilitationszentren sowie Organisationen und Verbände des Gesundheitswesens aufgerufen, zu zeigen, wie sich entsprechende Gefahren für Patienten möglichst gering halten lassen. Veranstalter der deutsch-österreich-schweizerischen Gemeinschaftsaktion sind das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS) (D), die Plattform Patientensicherheit (A) sowie die Stiftung für Patientensicherheit (CH).

Falsch dosierte oder eingenommene Medikamente, versehentlich am falschen Ort infundierte Wirkstoffe, oder eine Kombination verschiedener Arzneimittel mit ungünstiger Wechselwirkung: Fehler bei der Medikamentengabe sind die häufigste Ursache von sogenannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Das Spektrum der Folgen reicht von leichten Gesundheitsstörungen bis hin zum Tod der Patienten. UAW sind verantwortlich für fünf Prozent aller Einweisungen in Krankenhäuser – und enden bei etwa zwei Prozent der Betroffenen tödlich. Etwa jede zweite UAW gehe auf Medikationsfehler zurück, sei also grundsätzlich vermeidbar, so die Veranstalter des Aktionstags.

Ältere Patienten erleiden häufiger UAWs, weil sie krankheitsbedingt oft mehr Medikamente einnehmen. Zudem verändert sich ihr Stoffwechsel altersbedingt, was die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten beeinträchtigen kann. Neben der gesundheitlichen Schädigung der Patienten belasten Medikationsfehler durch ihre Folgekosten auch das Gesundheitssystem.

„Diese Problematik wird sich durch den demografischen Wandel mit einer alternden Gesellschaft weiter verschärfen“, stellen Hedwig François-Kettner, 1. Vorsitzende des APS, Dr. Brigitte Ettl, Präsidentin der Plattform Patientensicherheit Österreich und Prof. Dr. Dieter Conen, Präsident der Stiftung für Patientensicherheit in der Schweiz, fest.
Gleichzeitig würden die Abläufe in der Gesundheitsversorgung immer komplexer.

„Leider werden sich unerwünschte Ereignisse trotz aller Sorgfalt nie ganz vermeiden lassen“, sagen sie. Dennoch sei das erklärte Ziel, die Risiken bei der Gabe von Arzneimitteln so gering wie möglich zu halten: „Wir möchten zeigen, dass wir alle dazu beitragen können, das Bewusstsein für vermeidbare Gefahren rund um die Gabe von Medikamenten zu schärfen und damit die Medikationssicherheit weiter zu erhöhen“.

Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen die Veranstalter gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen ein Zeichen setzen: „Patientensicherheit soll eine entscheidende Rolle bei der medizinischen Versorgung einnehmen.“

Alle Gesundheitseinrichtungen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sind deshalb aufgerufen, teilzunehmen. Sie sollen zeigen, was sie bereits tun, um die vielfältigen Risiken bei der Anwendung von Medikamenten zu vermeiden. Geplant sind Aktionen wie Tage der offenen Tür, Podiumsdiskussionen, Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen.
„Wenn alle zusammen arbeiten, können Patientenschäden in Gesundheitseinrichtungen auf ein Minimumreduziert und damit ein wichtiger Beitrag für mehr Patientensicherheit geleistet werden“, betonen die Vorsitzenden der drei Partnerorganisationen.

- Bei Abdruck Beleg erbeten -

Download:

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Weitere Informationen:

Internationaler Tag der Patientensicherheit: www.patient-safety-day.org »
Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (D): www.aps-ev.de »
www.tag-der-patientensicherheit.de »
Plattform Patientensicherheit (A): www.plattformpatientensicherheit.at »
www.tagderpatientensicherheit.at »
Stiftung für Patientensicherheit (CH): www.patientensicherheit.ch »
www.aktionswoche-patientensicherheit.ch »

Ansprechpartner:

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